Archiv für den Monat: März 2019

Mini Nippes for ever

Falschgeldalarm in Mini Nippes 2018

Die Kinderstadt Mini Nippes hatte kaum wieder die Tore auf dem Gelände des ESV Olympias in Nippes geöffnet, da war auch schon am zweiten Tag ein ungeheuerlicher Skandal zu verzeichnen. Blitzschnell verbreitete sich die Nachricht: Es ist Falschgeld in Umlauf gebracht worden! Das waren die ersten Blüten seit 5 Jahren Mini Nippes. Schnell wurde die Bank der Kinderstadt zum Dreh- und Angelpunkt des Geschehens. 160 Kinder im Alter zwischen 9 und 12 Jahren, 44 jugendliche Teamer und die Menschen aus dem Organisationsteam wollten alle dort die gefälschte 50- Nippi- Geldnote sehen. Das hatte sich jemand richtig Mühe gegeben. Nur das Papier war etwas dicker und rauer als das Original. Und wieder wurde allen klar: Die Kinderstadt ist ein Spiegelbild der Gesellschaft.

Jedes Jahr in den ersten beiden Ferienwochen regieren Kinder ihre Stadt. Nach der Wahl des Bürgermeisters am ersten Tag, treten die Erwachsenen in den Hintergrund und haben nur noch beratende Funktion. Und das auch nur, wenn der Bürgermeister sich beraten lassen möchte. Immer wieder erstaunlich ist, wie gut Kinder Demokratie und wirtschaftliche Zusammenhänge durchschauen und sie gekonnt ausüben. Wahlversprechen werden in aller Regel umgesetzt. Korrekturen und Probleme werden in der Bürgerversammlung mit allen Kindern diskutiert und Lösungen demokratisch abgestimmt. Es wird überlegt, wie das Finanzamt aus der Pleite geführt oder wie Gerechtigkeit in der Warteschlange am Jobcenter hergestellt werden kann.  Mancher Politiker könnte sich davon eine Scheibe abschneiden.

Die Nippis, die Währung der Kinderstadt, werden gerne verdient und natürlich auch ausgegeben. In der Bäckerei, der Schreinerei, der Modewerkstatt und vielen anderen Betrieben wird eifrig produziert. Die Bank und das Finanzamt zahlen die Löhne aus. Ein lebendiges Treiben herrscht in der Stadt. Doch manche Kinder sind dann auch noch extrem geschäftstüchtig und gründen ihren eigenen Betrieb.  So entsteht dann kurzerhand noch eine Sandwichbar, ein Hotdog oder ein Popcornstand. Bei der Betriebsgründung sind schon am selben Tag Steuern fällig. Da legen sich die jungen Betriebsgründer kräftig ins Zeug. Dieses Jahr herrschte echter Konkurrenzkampf, denn zwei Crepestände und zwei Sandwichbars machten sich Konkurrenz. Da wurden dann auch mit harten Bandagen gekämpft und Beispielsweise alle Vorräte im Baumarkt gekauft, damit die Konkurrenten nicht genug produzieren konnten. Das nennt man wohl Marktwirtschaft pur.

Und noch etwas hat die Kinderstadt: sie ist eine erwachsenenfreie Zone. Nur die Erwachsenen des Teams dürfen auf den Platz. Für alle anderen gilt: ein Besuch bei Mini Nippes ist nur mit einer Stadtführung durch eines der Kinder möglich. Dies gilt für alle: egal ob Eltern, Pressevertreter, Sponsoren oder Anwohner und Neugierige. Ein Stadtführerkind begann seine Führung mit dem treffenden Satz am Tor: „Ein kleiner Schritt für die Kinder, ein großer Schritt für die Erwachsenen.“ Die Kinder begleiten die Erwachsenen und erklären ihre Stadt. Nach so einer Führung landen die Besucher mit einem strahlenden Gesicht wieder vorne am Tor. Auch die Anwohner der Werkstattstraße bekommen jeden Mittag etwas geboten. Dann startet die kleine Völkerwanderung zu Ot Werkstattstraße, wo das Mittagessen in zwei Schichten eingenommen wird. Das Mittagessen wird täglich von Köchen frisch zubereitet.

Bei herrlichem Wetter lässt es sich in der Zeltstadt Mini Nippes gut leben, die am Wochenende von den Ferien von den Teamern, aber auch unzähligen Eltern und Kindern aufgebaut wurde. Mini Nippes ist mittlerweile zu einem Identifikationsprojekt im Viertel geworden und wird von vielen „Fans“ mitgetragen. Materialspenden aus Betrieben in Nippes und von Eltern unterstützen das Projekt kräftig. Finanziell gefördert und unterstützt wird Mini Nippes 2018 vom Landschaftsverband Rheinland, den Kirchenkreisen Köln-Mitte und Köln-Nord, der Bezirksvertretung Nippes, der Sparkasse Köln und der AWB. Ohne dies wäre das Projekt Kinderstadt Mini Nippes nicht umsetzbar, denn die Elternbeiträge sollen erschwinglich für alle Familien sein.

Verantwortlich und Träger der Kinderstadt sind als Kooperationspartner die Evangelische Kirchengemeinde Nippes und die ev-angel-isch gGmbH, die das Projekt nun schon im fünften Jahr gemeinsam durchführen. Auf die Frage einer Besucherin, ob Mini Nippes im nächsten Jahr wieder stattfinden wird, waren dieses Jahr im Organisationsteam nur verwirrte Gesichter zu sehen. Das ist doch keine Frage: „Mini Nippes for ever“.